Sunnereedli (Sonnenrädchen)

Das „Sunnereedli“ ist die kleine Schwester der grossen „Fastewaie„.  Als echtes Original spricht das „Sunnereedli“ baseldytsch: die zweitletzte Silbe wird langgezogen. Als Luzernerin sage ich zu diesem Hefegebäck „Sunnerädli“, da bekommt das kleine Rad auf den Schluss eher etwas Schwung …

Ein ideales Apéro-Gebäck zu einem Glas trockenen Weisswein, vor dem nächsten Abendessen auf dem Balkon oder im Garten.

(Zugegeben, dieses Rädchen würde noch ziemlich holpern …)

Kennengelernt habe ich das salzige Gebäck in Basel, lange bevor die Fastenzeit in diesem Jahr begonnen hatte: Vor den Bäckereien weckten in schöner Kreideschrift auf  Schiefertafeln „Fastwaie“ meine Neugier. Und wie es einem so als Greenhorn in einer neuen Stadt ergehen kann, selbst wenn diese  im eigenen Heimtland liegt :-), erlag ich gleich zwei Irrtümern:

Irrtum no. 1: Die „Faschtewaie“ hat mit einer Wähe, im Sinne eines salzigen oder süssen, flachen Kuchens, dessen Füllung mit einem Eier- u/o Rahmguss feucht gehalten wird, rein gar nichts zu tun. (Nature sind sie ein einfaches salziges Hefegebäck mit Kümmel oben drauf.)

Irrtum no. 2: Fasten, im Sinne von genügsamer bis frugaler Ernährung, kann man/frau mit keiner der zahlreichen „Faschtewaie“-Variationen. (Sie werden für die heutige Fast-Food Verpflegung mit allem Möglichen gefüllt: Käse, Lachs, Schinken, Tomaten, Gurken, Salat, Curry-Poulet undsoweiter.)

Der Historiker „Grab macher Joggi“ erzählt in echtem „Baseldytsch“ die Geschichte um die „Faschtewaie“:

Damit man während des Jahres nicht auf das Gebäck verzichten muss, entwickelte ein kreativer Bäcker das „Sunnereedli“ (phonetische Erinnerung: zweitletzte Silbe langgezogen!). Das salzige Gebäck gleicht am ehesten einer Bretzel. Ein Hefeteig, oft noch mit etwas Malz angereichert, wird mit einem speziellen Eisen zu einem Sunnereedli  geformt, mit Eigelb bestrichen und schliesslich mit reichlich Kümmel bestreut.

Sunnereedly-Yse

Sunnereedli Yse

Rezept für „Sunnereedli“

(von 1925)
Quelle: Meier, Eugen A., Das Süsse Basel

500 g Mehl
190 g Butter
1 Würfel Hefe
1 1/2 Kaffeetasse Milch
15 g Salz

Eigelb, Kümmel, grobes Salz

Mehl und Butter zu miteinander verreiben (ähnlich wie beim Mürbeteig). Die Milch leicht erwärmen und dann die Hefe und das Salz darin auflösen. Alles zusammen zu einem Teig kneten und aufgehen lassen.

Nach dem Aufgehen wird der Teig nochmals kurz durchgeknetet. So lassen sich die zirka Golfball-grossen Kugeln leichter formen. Diese mit dem Handballen oder einem Wallholz zu 5mm dicken Ovalen formen. Mit dem „Sunnereedli-Yse“ vier Schlitze hineinschneiden und den Teig leicht auseinander ziehen, so dass die Struktur sichtbar wird.

Mit Eigelb bestreichen und je nach Belieben mit Kümmel und/oder grobem Salz bestreuen.

Bei 180 bis 200 Grad knusprig backen.

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