Ein Rezept gegen schlechte Laune

Heute morgen bin ich mit schlechter Laune aufgewacht: Draussen schien seit langem wieder mal die Sonne, eine Rarität im Luzerner Winter. Mein erster Gedanke: „Wie schön – ich könnte wiedermal gemütlich über den Markt bummeln, mir einen schönen Blumenstrauss gönnen, mich irgendwo auf einen Kaffee zum Zeitung lesen einladen.  “ 

brot_titel

Dafür müsste ich aber aufstehen, die Füsse unter der Bettdecke rausstecken, auf den Boden stellen … und jetzt überfällt mich dieses Gefühl: Ich habe keine Lust – ich habe schlechte Laune. Einfach so? Nein, natürlich nicht einfach so. Ein Wort vom Vortag geisterte noch immer in meinem Kopf rum. Eine Weile versuche ich dem Wort in meinem Kopf zu entfliehen. Schlage mir dies und jenes vor, versuche mich aus dem Bett zu locken, doch dieses Wort ist stärker. Ich habe einfach schlechte Laune!

Und was für eine … Dieses Wort sitzt fest, seit gestern und ärgert mich. Mit rationalem Diskurs ist es nicht klein zu kriegen. Und nun ärgere ich mich, dass ich mich von ein paar Buchstaben ärgern lasse (natürlich ist es mehr der Kontext, als das Wort für sich).

Schon M. F. K. Fisher hat für solche Notfälle geraten:

yoga

Erst gestern habe ich bei der Kochpoetin wunderbar frisch gebackenes Brot gerochen. Überhaupt ist in der Foodblogger-Welt Brot backen in alle Varianten ein festes Thema ist. Ein Challah-Brot möchte ich schon lange mal machen … Also endlich reichten mir die Argumente, um mich in die Küche zu bekommen.

Da ich heute grad keine frische Hefe im Haus habe und (noch) keine Lust rauszugehen um welche einzukaufen gibt’s eine einfache Variante:

Noch im Pyjama rühre ich 100g Roggenschrotmehl mit einem halben Tütchen Trockenhefe, einem Teelöffel Honig und etwas Wasser an. Diesen „Vorteig“ für 1 Stunde stehen und sich entwickeln lassen.  In der Zwischenzeit duschen, anziehen und gut durchlüften. Verflixt, das blöde Wort ist immer noch da. Pah – mein Plan muss funktionieren!

brot_1

Ein Tütchen Sauerteigpulver, 450g Schlossbrot-Mehl, etwa 3-4 dl Wasser, 20 g Salz, frisch gemahlener Kümmel mit dem Vorteig  zu einem zarten Teig kneten.  Bei jedem Druck in den Teig ganz bewusst an nichts anderes denken als den Teig. Nur das Mehl und die Feuchtigkeit spüren, wahrnehmen wie sich Glutenstränge kräftigen und allmählich einen leicht zurückfedernden Widerstand entwickeln. Jetzt den Teig zu einer runden Kugel formen. In eine leicht geölte Schüssel platzieren, mit einem feuchten Gazetuch bedecken und in der Nähe des  Ofens um das Doppelte gehen lassen.

Jetzt ist es Zeit für den Haushalt, Wäsche zusammen falten und ordentlich verräumen, den Staubmäusen nachjagen und das Altpapier bündeln und in den Keller schleppen. Das Brot geht mittlerweile prächtig auf. Ein kleiner Stups mit dem Zeigefinger in die Kugel hinterlässt eine bleibende Delle. Ein sicheres Zeichen, dass nun der nächste Schritt ansteht.

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Den Teig auf eine leicht bemehlte Tischfläche setzen und mit den Fingerknödeln zu einem Quadrat formen. die Ecken zur Mitte bringen, die neuen Ecken wieder zur Mitte falten und schliesslich durch das Unterschieben des Teiges mit den Handseiten  eine gleichmässige Kugel formen. Nochmals zirka eine halbe Stunde gehen lassen.

formen

Den Ofen auf 220° C vorheizen. Das Brot nach Wunsch einschneiden (übers Kreuz oder mit der Schere Spitzen schneiden). Auf einem Backblech in die Mitte des Ofens schieben, Wasser einstäuben und ganz schnell die Ofentür  schliessen. Wer wie ich mit einem Gas bäckt muss darauf achten,  das Feuer nicht auszulöschen – was mit zuviel Wasser und/oder zuviel Schwung, dank der wiedergefundenen guten Laune, nur zu leicht geschieht:-).

Brot_angerichtet

Das Brot zirka 45 Minuten backen . Nach 20 Minuten die Hitze auf 200° C reduzieren. Spätestens jetzt vertreibt der Duft nach frischem Brot sämtliche Unwörter und gewittrigen Launen.

Und nun das Brot nach draussen stellen, dank der winterlichen Temperaturen wird es schnell auskühlen und zu einem späten Frühstück verspeist. Bon appétit!

fertig

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9 Gedanken zu “Ein Rezept gegen schlechte Laune

  1. Thank you kochfrau and Mr Fisher for a lovely blog
    to combat the blues!

    Warm greetings
    cm

  2. So macht man die Leser neugierig!!!
    Welches Wort kann es nur sein….doch wie auch immer…ein gelungenes Brot kann wirklich ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.
    Bei mir zaubert gerade dein Text….

    Liebste Grüße :)

    1. …nachdem ich den Text gepostet hatte musste ich auch über mich selber schmunzeln :-). Nie zu alt um Dampf abzulassen.
      Herzlichst, Verena
      PS: Das Wort „Schadensbegrenzung“. Ich bin seit kurzem ungewollte erwerbslos und schädige damit die Arbeitslosenkasse, daher müsse ich alles zur Schadensbegrenzung tun. Die amtliche Sprache und Denkweise schafft es immer wieder mich innerlich auf die Palme zu bringen.

  3. Komisch….ich werde Ende 2013, nach 37 Jahren in der gleichen Praxis, arbeitslos sein. Mein Chef geht in Rente.
    Mein „hohes“ Alter macht mich dann wohl nicht mehr vermittelbar.

    Ich hoffe, ich kann bis dahin Brotbacken.

    Ich fühle mit dir :)

    1. Da drücke ich dir die Daumen, dass du etwas findest. Schliesslich sind wir jetzt im Besten Alter! Und wenn alles schief geht, können wir immer noch irgendwo zwischen dir und mir einen Koch-Backladen aufmachen.
      Herzlichst, Verena

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