Sonnenblumengelb

Heute Mittag sass ich alleine vor meiner sonnenblumengelben Suppe – in Konkurrenz leuchtend mit der Sonne draussen – allerdings um einige Grad heisser wie die Luft draussen …  Wenn ich alleine esse übe  ich mich darin, nicht in der Zeitung zu lesen, keine  Kochbücher neben den Teller zu legen, keine „to-do-Listen“ zu schreiben, mich auf mein Essen zu konzentrieren.

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Alleine essen, das habe ich nicht immer gerne getan. Je älter ich werde, umso weniger gerne tue ich es in einem Restaurant. Manchmal in den Ferien nicht zu vermeiden. In manchen Ländern kriegt frau dann das zweifelhafte Vergnügen, hinter der Tür zur Küche oder am zugigen Eingang, am Reservetisch Platz zu nehmen. Zu Hause jedoch bekomme ich immer den besten Platz! Darf sogar wählen, am langen Tisch bei Kerzenlicht oder lieber in der Küche, wo es nach dem Backen grad so schön warm ist?

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… die Gedanken gehen spazieren: „Wahrscheinlich habe ich in meinem Erwachsenen-Leben öfters alleine gegessen als in Gesellschaft“. Das ist nicht weiter schlimm, ergibt sich einfach so, wenn man in eben dieser Zeit meist auch alleine wohnt. Was auf keinen Fall gleichzusetzen ist mit alleine leben! Das Leben findet nicht alleine statt, in irgendeiner Beziehungsform stecken wir immer. Sind verbunden, mehr oder weniger eng, mehr oder weniger nah, mehr oder weniger gern, mehr oder weniger bewusst. Mit Freunden, Lieben, Bekannten, Verwandten und noch Unbekannten.

Alleine essen ist in Zeiten des hoch gelobten Individualismus wohl keine Seltenheit mehr. Auch wenn wir an belebten Orten essen, essen wir meist alleine das Fitness-Menu in der Kantine, ein Sandwich auf der Parkbank am See oder einen Burger schnell mal zwischen Büro und Einkauf. Alleine essen ist in Zeiten des allgegenwärtigen Fast- und Convenience-Food immer und überall möglich. Es ist als würde man sich an einen „bevölkerten“ Tisch setzen würde. Für Unterhaltung ist immer gesorgt. Menschen beobachten, Kurzgeschichten miterleben. Ein Blick auf die Uhr, das Handy oder einen anderen Zeitmesser – schon muss man wieder los …

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… die Gedanken spazieren durch Essens-Orte an denen ich gerne alleine gegessen habe. Einer meiner liebsten Orte dafür sind Sushi Bars, die ich aus den USA und Kanada kenne. Man setzt sich an die Bar, dahinter zaubern Sushi-Meister mit Algen, rohem Fisch und diesem leckeren klebrigen Reis kleine Kunstwerke. Augen- und Gaumenweide pur. Die angeblich weltbeste Currywurst in der Berliner Schönhauser Allee. Fish & Chips auf Land’s End. Frische Tagliatelle mit Trüffel vom Chef-Koch für die Signora da sola in Spoleto.

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Seit kurzem habe ich das Vergnügen, auch am Mittag bei mir zu Hause zu essen. Manchmal gibt’s nur einen schnellen Salat mit Brot. Manchmal gebe ich mir Mühe und gönne es mir, von mir bekocht zu werden. Fisch auf Gemüsebeet mit Orangensauce, Lammrack mariniert mit Kaffee-Chili-Rosmarin-Gewürz auf Kartoffelstock oder

… eine sonnenblumengelbe Blumenkohl-Topinambur Suppe. Dazu braucht’s einen Blumenkohl  in kleine Röschen zerteilt, etwa die gleiche Menge Topinambur geputzt und klein geschnitten. Das Gemüse in einem weiten Topf mit zwei- bis drei fingerbreit Wasser bedeckt weich kochen. Ein Esslöffel Kurkuma, je einen halben Teelöffel Koriandersamen, Bockshornklee, je eine grosszügige Prise Muskatnuss und eine geizige Prise Nelkenpulver zum Würzen. Salz und weisser Pfeffer nach Geschmack. Wenn das Gemüse weich gekocht ist, mit dem Pürierstab pürieren. Mit Zitronensaft abschmecken (neutralisiert den Kohlgeschmack und gibt einen Frische-Kick). Servieren mit frisch geschlagenem Rahm und frischen Granatapfelkernen.

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10 Gedanken zu “Sonnenblumengelb

  1. 12.12 und ich bin ohne Köchin im Atelier! Bei deinen Bildern rebelliert mein Magen. Soooooo gemein!! Nein nein, ich freue mich über deine ganz tollen Fotos und deinen philosphischen Text, Madeleine

  2. Ich habe ja meistens Gesellschaft beim Essen und liebe es aber über alles wenn ich allein essen darf. Ich machs mir dann schön und esse mit Genuss und ohne Gemecker der Mitesser worauf ich Lust habe.
    Ein genussvolles Wochenende für deine Gäste und dich… :)

    1. … so ist uns meist die Gewohnheit etwas langweilig und das Selten das Besondere? How ever, sich selber zu verwöhnen ist doch ein enormer Genuss.

  3. ich koche und esse meist auch alleine. Oft werde ich gefragt, waaas Du kochst so aufwändig für Dich alleine? Ich kann dann nur sagen, ich genieße die Zeit beim schnibbeln und zubereiten, da kann ich sehr gut entspannen.
    Lieben Gruß
    Gaby

    1. augenschmaus & gaumenfreuden alleine geniessen hat wirklich eine grosse qualität. schön zu wissen, dass es noch mehr von diesen menschen gibt, die sich selber verwöhnen und alleine essen nicht als mangel erleben. wünsche dir einen schönen sonntag.

  4. Liebe Verena
    Super, deine Website. Sie sollte Kochfee heissen, nicht Kochfrau :-). Die Blumenkohl-Topanimbursuppe hat mich gluschtig gemacht und werde sie gelegentlich nachkochen. Lieber Gruss von deinem Montag- und Mittwoch-vis-à-vis

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